Emotio versus Ratio: Cool bleiben im Coaching!

Wie die Frau in dem Witz mit den Apfelkernen (s.u.) ist es immer wieder ratsam, sich nicht nur auf den Bauch zu verlassen, sondern auch einmal die grauen Zellen zu strapazieren. Der Bauch bringt uns in sofortigen Kontakt mit unseren emotionalen Bedürfnissen. Er reagiert, wie auch der restliche Körper mit „somatischen Markern“, also Körpergefühlen, auf alles, was wir um uns herum und in uns wahrnehmen. Das kann uns jedoch auch in die Bredouille bringen. Etwa bei einer plötzlichen Panikattacke oder nicht enden wollendem Weinen würden wir uns wünschen, wenn wir gelassener und entspannter auf den emotionalen Auslöser reagieren könnten.

Wie bringe ich meinen Coachee ins Gefühl?

Im Coaching ist es von daher wichtig, die richtigen Fragen zu kennen, die aus zuviel Emotion den Weg zurück in´s Rationale finden. Der große Denk-Stratege Edward de Bono hat dazu wunderbare Techniken geliefert, die unter Begriffen wie „Outside the box- Denken“, „Laterales“ oder kreatives Denken bekannt geworden sind.

Was verhindert laterales Denken? Unüberprüfte Vorannahmen, Glaubenssätze, Gewohnheiten, Erfahrungen, vorauseilender Gehorsam und Ängste aller Art. Genau das gilt es zu überwinden!

Alle möglichen Antworten berücksichtigen

Vorannahmen überprüfen. Ist es wirklich so? Wer klagt möchte Hilfe, wirklich? Oder hält er so nur das Muster im Gange, weil er Angst vor der Veränderung hat? Du merkst es am Widerstand auf deine Ratschläge, am „Ja-Abern“. Als Coach musst du immer das Gegenteil mitberücksichtigen, um nicht betriebsblind zu werden. Wohin schaut dein Coachee nicht? Was wäre. wenn dieses verhalten, die perfekte Lösung für sein Problem wäre, bislang?

Hier ein Denkrätsel: Welche Kerze brennt länger, Bienenwachs oder Paraffin? Vielleicht sagst du jetzt Bienenwachs? Achtung, hierbei handelt es sich um eine manipulative Vornahme, wie das NLP-Meta-Modell sie analysiert. Wie beim Satz: „Möchten Sie lieber mit dem Füller oder Kuli unterschreiben?“ wird die Aufmerksamkeit weg vom Unterschreiben hin zum Schreibwerkzeug gelenkt, um einen Verkaufsabschluss zu forcieren. Jetzt eine neue Idee bekommen bezüglich der Kerzenfrage? Nun, beide werden beim Brennen kürzer, nicht länger!

Um nicht in die Denkfalle zu geraten, oder sich im Coaching von den Emotionen des Coachees mitreissen zu lassen, wodurch du schnell nicht mehren der läge bist, ihm oder ihr zu helfen, ist es wichtig, daß du alle möglichen Fragen stellst, wie ein neugieriger Hund läufst du in alle Ecken und konfrontierst den Coachee mit vielfältigen „was wäre wenn?“-Szenarien.

Aufblenden, andere Sinneskanäle nutzen

Probleme erleben wir meist nur mit einem Sinneskanal, z.B. auditiv. Im inneren Dialog teilt uns der innere Kritiker ständig unaufgefordert mit, was wir gerade alles wieder falsch machen, wo wir versagt habe, wo wir peinlich und faul waren! Deshalb ist es wichtig, deinem Coachee andere Sinneswahrnehmungen zu ermöglichen, damit er oder sie ihre gewohnte Denkbox verlassen kann.

Erfinde eine Metapher aus dem Tierreich oder einem Film, um das Problem in einen anderen Kontext zu setzen. Gestaltet ein Bild dazu, singt ein Lied davon, mach eine Aufstellung mit Buntstiften, Play-Mobil-Figuren oder Edelsteinen. Egal Hauptsache, du beginnst nicht mit dem Coaching, ohne vorher genau zu wissen, worum es dem Coachee wirklich geht.

Hierfür ist respektvolle, emphatische Dissoziation vonnöten. Also ein Hin und her zwischen mitfühlend in die Landkarte des Coachees einsteigen, die eigenen Körperreaktionen darauf testen und dann wieder von außen cool zu analysieren, womit ihr es zu tun habt. In der Ethnologie nannten wir das die „teilnehmende Beobachtung“. Also dabei sein und gleichzeitig draußen.

Um ein Problem nun von allen Seiten kritisch zu analysieren, helfen die sechs Denkhüte von de Bono, die sowohl in die positive, als auch in die negative Richtung gestellt werden: Was?, Warum?, Wann?, Wie?, Wo? und Wer?

Hier ein Beispiel, eines Coaching-Anliegens: „Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich meinen Partner verlasse oder nicht!“

Was Was ist gut daran, dass ich mich nicht entscheiden kann, meinen Partner zu verlassen? Was ist schlecht daran, dass ich mich nicht entscheiden kann, meinen Partner zu verlassen?
Warum Warum kann ich mich entscheiden, meinen Partner zu verlassen? Warum kann ich mich nichtentscheiden, meinen Partner nicht zu verlassen?
Wann Wann kann ich mich gut entscheiden? Wann habe ich mich entscheiden, meinen Partner (nicht) zu verlassen?
Wie Wie kann ich meinen Partner verlassen? Wie kann mein Partner mich verlassen?
Wo Wo habe ich meinen Partner schon verlassen? Wo hat mein Partner mich verlassen?
Wer Wer kann sich leicht entscheiden? Wer kann mich mich dabei unterstützen, meinen Partner nicht zu verlassen?

Diese 6-Denkhüte sind ein super Coaching-Ansatz, den du im Coaching zum Einstieg und zur Problem- und Zielfindung anwenden, aber auch deinem Coachee z.B. vor dem Coaching oder im Anschluss daran schicken kannst, ist.

Eine andere, sehr gute Möglichkeit, „out of the box“ zu denken, ist der provokative Stil, über den ich in einem weiteren Blogbeitrag sehr gern schreibe!

Und hier noch der Witz mit den Apfelkernen:

Intelligenz Im Zug:

Sitzen zwei Frauen im Zug. Die eine kaut angelegentlich auf etwas herum.  „Auf was kauen Sie da eigentlich die ganze Zeit herum?“, fragt sie die andere. „Auf Apfelkernen“, antwortet die Frau. „Und wozu soll das gut sein?“ – „Es fördert die Intelligenz!“ – „Aha! Können Sie mir auch ein paar geben?“ – „Ja, gerne. Vier Stück kosten acht Euro.“ Die andere Frau zahlt die acht Euro und bekommt vier Kerne. Nach einer Weile des Kauens sagt sie nachdenklich: „Für acht Euro hätte ich mir jede Menge Äpfel und viel mehr Kerne kaufen können!“ – „Sehen Sie“, antwortet die Frau, „die Kerne wirken schon!“