Die 4 Arten des Schenkens – Weihnachten typologisch gespiegelt

Wohnraum,Interior, Foto: Ulla Franke

Karl und Anna sitzen im Zug. Es geht um das Thema Weihnachtsgeschenke. Kahl erklärt Anna detailliert, was er haben möchte. Es soll praktisch, nützlich, klassisch und stylish sein. Am Nachbartisch sieht der einen jungen Mann, der elektronisch auf dem höchsten Niveau ausgerüstet ist und auch einen chicen Koffer dabei hat. „Genau so“, sagt er. Anna guckt ihn verständnislos an: „Ja aber wo bleibt denn da die Überraschung? Das ist ja eine Einkaufsliste, die du mir da übergibst!“ beschwert sie sich.

Kahl reagiert sauer: „Aha, dir geht es beim Schenken also nur um dich? Und dann bekomme ich wieder irgendwelchen unnützen Kram, anstatt das, was ich wirklich brauche und schön finde.“

Scham und Egoismus

Anna fühlt sich beschämt und ist gekränkt. Sie forscht in sich hinein: ‚Hat Karl recht? Worum geht es mir eigentlich? Ich will ihm doch nur eine Freude machen aber Ihn halt auch überraschen. Ist das jetzt egoistisch?‘
Anna möchte mit ihrem Geschenk die Bedürfnisse des anderen erraten und auf den Punkt das richtige präsentieren. Dafür möchte sie bewundert und geliebt werden. Und mit einer Einkaufsliste von Karl in der Hand fühlt sie sich wie seine Sekretärin, die man beauftragt hat, der Gattin einen Strauß Blumen zu besorgen. Sie fühlt sich abgewertet, kann aber nicht wirklich etwas zu ihrer Verteidigung sagen, denn natürlich spielt auch ihr Ego eine Rolle beim Schenken.

Typische typologische Missverständnisse

Karl repräsentiert in dieser kleinen Episode den Typus des mutigen aggressiven Einschüchterers und Anna die fürsorgliche Besserwisserin im 4D-Typologiemodell. Die beiden haben grundsätzlich diese Art von Auseinandersetzungen und Missverständnissen, weil jeder die Welt aus seiner Landkarte heraus sieht und die Bedürfnisse des anderen schlecht nachvollziehen kann.

Anna würde Karl niemals eine Wunschliste geben, allenfalls würde sie einen kleinen Fingerzeig geben, was ihr gefällt. Karl würde dann mit ihr in den Laden gehen und es kaufen. Ruhig auch etwas teurer, denn dann ist es wertvoll und sie braucht es wirklich. Überraschung ist nichts für Karl, schon gar nicht eine Zwangsbeglückung, wo er sich über etwas freuen soll, was jemand anders sich für ihn ausgedacht hat.

Diätenfrust und blinde Flecken

Ein Abteil weiter sitzt das Pärchen Gustav und Isolde. Sie steckt sich gerade genüsslich ein Monchérie in den rosigen Mund, schleckt sich die Finger ab und blättert dabei in einer Illustrierten. „Immer diese Magermodels!“, empört sie sich. „Fällt diesen Designern eigentlich nichts anderes ein, als diese verhungerten Kleiderständer über den Laufsteg zu schicken?“ schimpft sie vernehmlich. Gustav schaut von den schlanken Models zu Isoldes üppigen Formen, die noch weit in den Nachbarsitz hineinragen und denkt sich: ‚Ein bisschen könntest du schon abnehmen!‘ Aber das wagt er sich nicht zu sagen. Sie hat’s ja auch schwer, mit ihrem Zucker und alle Diäten haben auch nichts genutzt. Im Gegenteil! Bei ihm ist es ganz anders, er kann gar nicht genug essen, denn alles flutscht durch.

Der Glanz des Goldes

Plötzlich sieht Isolde einen großen rosa funkelnden Ring. Sie stupst mit dem Finger in die Zeitung und fragt augenklimpernd und mit gespitzten Lippen: „Schenkst du mir den zu Weihnachten, Hasi?“
Was? Gustav reagiert verwirrt. ‚Der sieht teuer aus. Wovon soll er den denn bezahlen, bei seinem mageren Gehalt? „Ich, hm, tja…“ stottert er. „Muss mal schauen, Isöldchen. Wenn dein Bruder mir mal endlich mal das Geld zurückgeben würde, dass er sich vor drei Jahren geliehen hat…“ versucht er, die Verantwortung zu verlagern. 

Isolde spielt die Gekränkte und zieht einen Flunsch: „Also wirklich, Gustav, du kannst einer Frau aber echt den Spaß verderben! Ich wünsche mir nur diesen kleinen, hübschen Ring von dir zu Weihnachten, und du redest von dieser elenden alten Sache. Warum hast du Ihm auch das Geld gegeben? Aber das passiert dir ja immer, du lässt eben alles mit dir machen!“ kritisiert sie laut und ungeniert, ohne sich um die Zuhörer im vollbesetzten Zug zu kümmern.
Sie ist enttäuscht, weil sie glaubt, sie sei ihm nicht so viel wert, dass er sich für sie einsetzt.‚Diamonds are a Girls best friend‘, Ist ihre Devise, denn nur Materielles gibt ihrdas Gefühl von Sicherheit.

Ich brauch nichts!

„Was möchtest du denn zu Weihnachten haben?“ fragt sie, um sich von der finanziellen Misere abzulenken, über die sie einfach nicht nachdenken möchte. „Ach, lass man“, winkt Gustav ab. „Ich hab schon alles.“ Er mag es nicht, anderen von sich und seinen Bedürfnisse zu erzählen. Und es ist ihm in Wirklichkeit auch egal, ob und was er zu Weihnachten bekommt. 

Die Dinge, die ihm wirklich wichtig sind, zum Beispiel seinen leistungsstarker Spiele-PC und sein funktionsreiches Mauntainbike, kauft er sich selbst. Da könnte Isolde ihm sowieso nicht helfen, weil sie weder vom einen noch vom andern etwas versteht.  Isolde schüttelt verständnislos den Kopf. „Aber du musst doch wissen, was du möchtest! Ich weiß immer was ich will. Ich verstehe einfach nicht, dass du keinen Spaß an Weihnachtsgeschenken hast. Aber das kenne ich ja nicht anders von dir!“ seufzt sie und blättert neugierig weiter in der Zeitschrift, immer auf der Suche nach etwas Schillerndem, Buntem und Luxuriösem, was sie sich noch einverleiben könnte.

Macht und Ohnmacht

Isolde repräsentiert im typologischen Modell das Energiemuster des charmanten kleinen Kindes, während Gustav typische Verhaltensweisen des beobachtenden Rückziehers zeigt. Sie beide drehen sich in einem Reigen um Macht und Ohnmacht und können sich daraus nicht befreien, weil sie nicht in die Position des anderen wechseln möchten.

Provokative Lösungen

Was müsste nun passieren, damit z. B. Anna und Karl sich besser fühlen? Anna könnte zu Karl sagen: „Denk doch mal an all die schönen Geschenke, die ich dir schon gemacht habe, zum Beispiel …“ aber das wäre Verteidigung und würde ihn nicht besänftigen. Am besten würde sie in die Rolle einer seiner Kumpels schlüpfen, und ihm provokativ erwidern: „Du bist aber auch ein ganz Perfekter, mein Lieber. So ein Kontrolletti wie du will doch eigentlich gar nichts von anderen geschenkt haben, dir ist nichts gut genug und dein Ideal ist der Asket!“ Das würde Karl einen neuen Status verleihen, der ihm gefiele. 

Anna, die immer hübsch gestaltete Besserwisserin würde man mit einem schönen und originellen humorvollen Geschenk glücklich machen, das zeigt, dass man sich wirklich Gedanken gemacht hat und ihre Vorlieben errät. Dadurch würde sie sich anerkannt und gewertschätzt fühlen. 

Ende gut alles gut: Prost!

Isolde und Gustav werden in jedem Fall ein köstliches und üppiges Weihnachtsmahl zu sich nehmen, und beim Zuprosten ihre Zwistigkeiten vergessen.

Hier siehst du also, Schenken ist nicht gleich Schenken und beschenkt werden schon mal gar nicht. Wenn du mehr wissen möchtest, welcher Schenktyp du bist, mach den 4D-Typologie Test auf meiner Homepage. 

Mehr lesen… mehr lernen…

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Oder komm ins Einzelcoaching und kläre mit mir deine spezielle berufliche oder private Situation aus typologischer Sicht. Dann hast du den Durchblick und kannst solcherlei Szenen mit mehr Abstand und Humor betrachten:-)

Übrigens schreibe ich an einem Roman über die Energiemuster und dort kannst du dann in unterhaltsamer Form mehr von typischen alltäglichen Szenen und Verhaltensweisen lesen und dich und andere besser verstehen lernen. 

Und nun wünsche ich dir und deinen Lieben noch viel Freude und Aha-Erlebnisse zu Weihnachten beim Schenken und Beschenktwerden:-)